
WEDDING CULTURE
„Danach feiern wir mit unseren Freunden und Familien in einer Kneipe. Klingt erstmal random.“
Diesen Satz habe ich vor ein paar Tagen gelesen.
Und ich hab mich gefragt:
Seit wann müssen wir uns dafür rechtfertigen,
wie wir heiraten möchten?
06. Juni 2026
KEINE DESTINATION HOCHZEIT
Schon mal drüber nachgedacht? Sich gefragt, heiraten in Deutschland? Heiraten im Ausland? Heiraten in Italien, zum Beispiel in der Toskana? Oder doch lieber in Frankreich in der Bretagne oder am Meer, an der Côte d’Azur? In den tropischen Gefilden in Thailand? Oder doch lieber Malediven? Mallorca? Ibiza?
Nein? Kann ich verstehen.
Ich hatte neulich wieder eine total coole Anfrage. Und der interessanteste Satz, den ich gelesen habe, ist, dass darin stand, dass das Brautpaar meinte:
„Danach feiern wir mit unseren Freunden und Familien in einer Kneipe. Klingt erstmal random“ und das fand ich so schade.
Warum wir uns plötzlich für unsere Hochzeit rechtfertigen
In der heutigen Zeit rechtfertigen wir uns dafür, dass wir feiern wollen, wie es uns am liebsten ist.
Dass wir versuchen, uns für eine Sache zu rechtfertigen, die eigentlich die normalste Sache auf der Welt sein sollte.
Früher haben die meisten einfach völlig random gefeiert.
Sind kurz zum Standesamt. Haben den Termin hinter sich gebracht. Sind danach ins Restaurant oder wieder heim und haben mit Freunden und Familie ein Stück Kuchen gegessen oder lecker Mittagessen genossen oder Abendessen.
Ohne Stress. Ohne Hektik. Ohne Druck. Ohne Erwartungen.
Ohne jemanden, der sich die ganze Zeit eingemischt hat.
Mittlerweile wird das ganze Thema Hochzeit aufgebauscht.
Man möchte die coolste Hochzeit. Die krasseste Deko. Die heftigsten Blumen. Das wundervollste Kleid. Pompös. Eindrucksvoll. Voller Eleganz. Mächtig. Und mit ganz viel Tamtam.
Hauptsache das Statement ist gesetzt und alle anderen sind glücklich. Destination Hochzeiten, wie sie im Buch stehen. Eindrucksvoll. Imposant.
Das Essen muss prachtvoll sein. Die Autos prunkvoll. Die Gäste aufgebrezelt. Die Hochzeit extravagant. Am liebsten im Stil von Old Money. Um zu zeigen, was man hat. Am besten als Abschluss irgendwo die Destination Wedding.
Zwischen Olivenbäumen und Weinbergen. Unter Sternenhimmel. An langen Tafeln im Kerzenschein. Ein Get Together am Vortag. Pizza, Wein und gute Drinks. Am nächsten Morgen das Getting Ready. Alles perfekt geplant. Alles wunderschön.
Alles wie aus einem Magazin. … klingt alles schön? Und gut?
Kann natürlich auch stressig sein. Der Druck ist hoch. Die Erwartungen auch.
Das sind wir.
Und dann gibts immer mehr Brautpaare, die sich für den anderen Weg entscheiden. Den eigenen. Den ohne Druck. Den Weg, der sie glücklich macht. Der, der ihnen zeigt, dass sie machen können, was sie wollen. Der ihnen zeigt, dass es egal ist, wo sie feiern.
Dass es keine Destination Hochzeit sein muss.
Der Weg, der besagt, dass es cool ist, sowas wie ein Handfasting zu machen (keltischer Brauch).
Der besagt, dass es auch cool sein kann, gemütlich in kleiner Runde ins Standesamt zu gehen. Zum Beispiel nur zu zweit. Oder nur zu zehnt. Danach dann ins Restaurant und gegen Abend in die Lieblingskneipe.
Zwischen Berliner Hinterhöfen und Spätis. Kleinen schicken Bars und Kneipen. Mit ganz vielen Menschen drumherum. In einer urigen Kneipe. Vielleicht mit Raucherraum. Ner Runde Billard und ner Dartscheibe. Dabei ein Bier. Und Snacks. Später vielleicht ne wilde Hochzeitstorte. Oder aber ein Tiramisu. Gemacht von den Freunden. Vielleicht auch jeder Gast, der ein bisschen Leckereien springen lässt.
Die Lieblingsbar, in der man sich vielleicht kennengelernt hat. Die zu einem ganz besonderen Ort geworden ist. In der man sich aufhält, gemeinsame Abende verbringt. Sich vielleicht zum ersten Mal geküsst hat. Sich vielleicht verlobt hat. Dort „Ja“ gesagt hat zueinander. Und genau dort auch alles besiegeln mag.
Deshalb:
Feiert, wie ihr Bock habt! Macht, worauf ihr Lust habt! Genießt euren Tag und eure Zeit. Gemeinsam. Miteinander. Mit euren Freunden. Mit eurer Familie.
Und das genau so, wie ihr es für richtig haltet. Wenn ihr der Meinung seid, dass ihr in einer Kneipe feiern wollt, dann muss das auch so sein. Und dafür sollte sich niemand je rechtfertigen und schämen. Das ist einfach das Coolste, das es gibt.
Wenn euch der Ort total viel bedeutet, dann ist das tausendmal mehr wert als alle Destination Hochzeiten zusammen.
Und ganz ehrlich?
Niemand erinnert sich in dreißig Jahren daran, ob die Servietten die richtige Farbe hatten. Ob die Blumen aus Italien kamen. Ob die Stühle aus Holz oder aus Metall waren. Ob das Menü vier oder sieben Gänge hatte.
Aber man erinnert sich daran, wie sich dieser Tag angefühlt hat.
Daran, wie Oma und Opa gelacht haben.
Daran, wie man nachts um drei noch mit seinen besten Freunden zusammensaß.
Daran, wie alle zusammen auf der Straße standen, weil es drinnen viel zu warm war.
Daran, wie jemand spontan eine Rede gehalten hat.
Daran, wie man sich angeschaut und gedacht hat: "Genau so sollte es sein."
Vielleicht ist die perfekte Hochzeit am Ende gar nicht die, die aussieht wie aus einem Fashion Magazin.
Vielleicht ist die perfekte Hochzeit einfach die, die sich nach euch anfühlt.
Und wenn das eine Kneipe ist, ein Hinterhof, ein Restaurant, ein Garten, ein See, eine Berghütte oder das Wohnzimmer eurer Eltern, dann ist genau das der richtige Ort.
Nicht weil es spektakulär aussieht. Sondern weil es eure Geschichte erzählt.
Vielleicht ist die mutigste Entscheidung heutzutage nicht, in die Toskana zu fliegen.
Vielleicht ist die mutigste Entscheidung, einfach das zu machen, worauf man wirklich Lust hat.
Ohne Trends.
Ohne Erwartungen.
Ohne Rechtfertigungen.
Einfach nur: "Das sind wir."
In der heutigen Zeit vergessen wir ganz schnell, dass es nicht um alle anderen geht. Sondern nur um uns. Um unseren Tag. Und die schönste Zeit, die wir gemeinsam verbringen dürfen. In der besten Gesellschaft, die man sich wünschen kann.
Denn besonders bedeutet nicht immer exklusiv oder teuer.
Besonders bedeutet, dass ihr einfach ihr selbst sein dürft.
Besonders bedeutet nicht perfekt
Besonders bedeutet, dass ihr unter klarem Sternenhimmel in Berlin in einem Hinterhof eure Hochzeit feiern dürft.
Besonders bedeutet, dass ihr im strömenden Regen durch die Straßen laufen dürft, das Brautkleid nass wird und der Anzug. Die Haare tropfen und die Schuhe sind schon längst ausgezogen.
Besonders bedeutet, dass ihr euer Paarshooting auch sausen lassen könnt.
Besonders bedeutet, dass ihr euch auch einfach zu zweit mit einem Kaffee hinsetzen könnt.
Besonders bedeutet, dass ihr einfach abhauen und zu zweit weit weg heiraten könnt.
Besonders bedeutet, dass ihr statt einer Hochzeitstorte um Mitternacht Döner essen könnt.
Besonders bedeutet, dass eure Freunde die Playlist übernehmen und kein DJ nötig ist.
Besonders bedeutet, dass ihr euch gegen einen Sitzplan entscheiden könnt.
Besonders bedeutet, dass ihr keinen Walzer tanzen müsst.
Besonders bedeutet, dass ihr in Docs statt in Designerklamotten heiraten könnt.
Besonders bedeutet, dass ihr Tattoos stechen lassen könnt statt Gastgeschenke zu verteilen.
Besonders bedeutet, dass niemand eine Rede halten muss.
Besonders bedeutet, dass jede Person dort sein darf, die ihr dabei haben wollt. Und niemand, nur weil man ihn einladen "muss".
Besonders bedeutet, dass eure Familie vielleicht aus zehn Menschen besteht. Oder aus hundert.
Besonders bedeutet, dass ihr den ganzen Tag umwerfen könnt, wenn euch spontan danach ist.
Besonders bedeutet, dass ihr eure Hochzeit nicht erklären müsst.
Besonders bedeutet, dass ihr niemandem gefallen müsst.
Besonders bedeutet, dass ihr alle Traditionen brechen dürft.
Besonders bedeutet, dass ihr euren Tag genauso feiern dürft, wie ihr euer Leben lebt.
Besonders bedeutet, dass eure Hochzeit nach euch aussieht und nicht nach Pinterest.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum man sich auch in dreißig Jahren noch daran erinnert.


warum ich hochzeiten so begleite, wie ich sie begleite.
echte hochzeiten. echte menschen. echte geschichten.
found your vibe?
say hi.
wild wedding stories in
berlin, stuttgart, münchen + beyond
based in stuttgart
© 2026 lisa tschinkel