
WEDDING CULTURE
presence is the real luxury
Können wir bitte aufhören, jeden Moment zu inszenieren?
16. Juli 2026
Ich meins ernst: Können wir bitte wirklich aufhören, jeden Moment zu inszenieren?
Ich sitze gerade am nächsten Blogpost für euch.
Zwischen einem absolut wundervollen und coolen Videocall mit einer richtig tollen Fotografin, die dieses Jahr den Schritt in die Selbständigkeit gewagt hat und mich ab bald auch auf einigen Hochzeiten als Second Shooterin begleiten wird, und meinem Yufka, den ich noch zu 1/3 aufgegessen habe, weil er von gestern übrig war, überlege ich mir schon die nächsten Zeilen für euch.
Ich überlege mir den nächsten Artikel. Bei geöffneter Balkontüre sitze ich hier im Oversized Shirt und einer kurzen Hose und versuche, währenddessen nicht an Hitze zu sterben. Die Balkontüre, durch die endlich mal ein bisschen Wind in die heiße Bude strömt, hilft auch ungemein.
Neben mir noch der Tischventilator, der bis zur letzten Sekunde ausgeharrt hat und dann - während unserem Call - beschlossen hat, doch den Geist aufzugeben, weil der gottverdammte Akku leer war. Bis dahin hat er mir aber die wundervollsten Dienste geleistet.
Und was ich damit sagen will?
Ich schreibe euch meine Blogposts so, wie ich gerade da sitze. Weder perfekt gestylt in meinem (imaginären) Büro, noch zwischen zwei Kundencalls. Sondern dann, wenn die Zeit dafür da ist.
Chat GPT und ich haben auch diskutiert, was meine nächste Blogpostidee sein kann.
Eins sei gesagt: Wir waren uns nicht einig. Weil absolut nichts daran nach mir klingen würde.
Auf meinem Blog will ich euch meine Sicht der Dinge, meine Gedanken und meine Beobachtungen zeigen.
Ich will euch keine „1000 Hochzeitsideen aus Pinterest“-Beiträge zusammenstellen, bei denen ihr euch dann am Ende wundert, ob die Alte das wirklich ernst meint oder ob sie nur wieder 1000 oder 2000 Wörter raushauen mag, damit Google zufrieden ist und ich mehr Sichtbarkeit mit meiner Webseite habe.
Und ein Thema, das mich immer mehr beschäftigt, sind nun mal - neben all den geilen Hochzeiten (die ich wohlgemerkt über alles liebe) - einfach so Gedanken, die daran anknüpfen, wie schnelllebig die heutige Zeit ist. Im Zeitalter von Social Media, Influencern, Content Creatorn (ja, auch die haben es auf Hochzeiten geschafft, weiß der Geier wie), Videografen usw. usw. gibt es so viel, das man eigentlich mehr genießen sollte.
Mehr im Hier und Jetzt sein.
Da erwische ich mich aber auch immer häufiger dabei, wie ich wieder versuche, 10 Dinge zeitgleich zu erledigen. In der vorgeschriebenen Zeit. Mit meinen Möglichkeiten. So schnell es geht. Damit ich danach noch mehr Freizeit habe.
Die ich dann dafür (teilweise) verschwende und mich beim Doomscrolling erwische. Kennt ihr nicht den Begriff? Sinnloses Scrollen auf Social Media.
Ich sage immer dazu: Gehirn abschalten. Berieseln lassen. Und am besten noch sämtlichen Schrott aufsaugen, wovon nicht mal 10 % hängen bleiben.
Und sind wir ehrlich miteinander?
Ich bin nicht die Einzige, der es so geht.
Wahrscheinlich seid ihr deshalb hier bei mir gelandet. Damit ich euch – irgendwie – ein bisschen erden kann. Euch vielleicht darin bestärken kann, dass nicht alles, was man online sieht – gerade in der Hochzeitsbubble – auch für euch unbedingt Sinn ergeben muss.
Nicht jeder Trend muss mitgemacht werden.
Nicht jeder Trend muss zu euch passen.
Nicht jede Sache muss genau das sein, was ihr dann unbedingt auf eurer Hochzeit braucht.
Ich sehe es bei mir. Doomscrolling auf Social Media. Bei mir, bei den Videos, häufig auf TikTok.
Zack, sind einfach 30 Minuten weg. Einfach so. Ohne, dass ich es bewusst gemerkt habe.
Dann will ich meinem Freund vielleicht nur schnell zeigen, welches lustige Video ich gesehen habe und scrolle zurück. Denke mir: Komisch, das habe ich doch eben erst gesehen. Wo ist es denn?
Und dann muss ich gefühlt 50 Videos zurückscrollen, bis ich ihm das eine Video zeigen kann…
Denkt ihr, dass eins der 50 Videos bei mir hängen geblieben ist?
Ganz sicher kein einziges.
So schnell vergeht die Zeit.
So unaufmerksam ist sie weg.
Und ich?
Stehe da und denke mir:
Shit.
Das war schnell.
Und was habe ich davon?
Gar nichts gehabt.
Die Zeit ist weg. Die kommt nicht wieder.
Früher habe ich ein Buch gelesen. Bin in eine Geschichte eingetaucht. Was ich dort lese, weiß ich nach 10 Minuten immer noch. Das vergesse ich nicht so schnell.
Und genauso ist es mit eurer Hochzeit. Ihr wollt Trends machen. Wollt schöne Deko, coole Outfits, nice Mottopartys und am liebsten vielleicht volles Programm.
In der heutigen Zeit besteht der wahre Luxus wahrscheinlich darin, dass präsent sein das Wichtigste ist.
Das Gespräch genießen, das man nach so langer Zeit mal wieder führt. Nicht zwischen Smalltalk oder Tür und Angel. Das Handy mal beiseite legen. Nicht drauf schauen. Da sein. Den Moment genießen.
Einfach anwesend sein und einen Tag, der so schnell wieder vorbei ist, auch bewusst wahrzunehmen. Happy zu sein, weil man den Tag mit seinen Lieblingsmenschen verbringt. Egal, ob zu zweit, als größere Gruppe oder mit einer Mega-Partypeople-Menge zu feiern und abzudancen.
Sind das wirklich wir?
Nicht jedem Trend hinterherzujagen, sondern sich wirklich zu fragen:
Sind das wirklich wir?
Oder wem wollen wir es recht machen?
Passt das so für uns?
Wollen wir das wirklich?
Wir leben mittlerweile einfach in einer Zeit, in der Schnelllebigkeit normal geworden ist. In der wir vieles einfach zeitgleich nicht mehr bewusst wahrnehmen. Und auch Hochzeiten sind davon nicht ausgenommen, sondern genauso betroffen.
Man hetzt von Programmpunkt zu Programmpunkt. Versucht, so viel wie möglich in diesen einen Tag zu packen. Ihr als Brautpaar rennt nur rum. Versucht, jedes Foto perfekt im Kasten zu haben, damit auch alle am Ende zufrieden und glücklich sind.
Dabei besteht der eigentliche Luxus am Ende wirklich daraus, im Hier und Jetzt zu leben.
Presence Is the Real Luxury.
Ihr seid da. Ihr genießt. Ihr habt das Handy auf der Seite. Müsst nicht die ganze Zeit performen. Könnt den Tag ganz entspannt genießen und habt auch noch was von euren Gästen.
Und wenn ihr bis hierhin gelesen habt: Ihr seid echt krass. Respekt an euch, dass ihr euch schon wieder mein Gesabbel angetan habt.
Ich versuche immer, nicht zu ausschweifend zu sein und euch vielleicht einen kleinen Mehrwert zu bieten. Vielleicht einfach nur einen Gedanken, den ihr dann für euch umsetzen könnt.
Oder ihr vergesst einfach ganz schnell, was ihr eben für einen Quatsch gelesen habt und scrollt weiter. Vielleicht zu einem meiner nächsten oder älteren Beiträge. Oder ihr geht wieder ganz zurück und denkt euch:
Was für ein Mist ist das bitte?
Aber wenn ihr euch das nicht denkt, dann: Cool!
Und danke fürs Lesen. Vielleicht sieht man sich irgendwann mal auf einer Hochzeit. Vielleicht auf eurer eigenen.
Aktuell überlege ich auch noch, ob ich den Blogpost noch in eine andere Richtung ausbauen kann. Ob ich euch noch mehr Mehrwert liefern kann oder ob's für heute langt.
Aktuell reicht's mir. Mein Standpunkt ist klar.
Und jetzt hole ich mir noch einen kleinen Snack, bevor ich ins Bett muss, weil ich um 4 Uhr in der Früh wieder ready sein muss. Nicht, um eine Hochzeit zu fotografieren. Aber, um die nächste Hochzeit zu bearbeiten und bald das nächste Brautpaar glücklich zu machen.
Und da ich nicht immer sofort Feierabend machen kann, weil auch mir immer 1000 unterschiedliche Gedanken durch den Kopf schwirren, höre ich jetzt mal auf.
Vielleicht gibt's noch einen neuen Post auf Instagram.
Wer weiß.
Und ihr:
Genießt eure Hochzeit!
Die habt ihr nur einmal (hoffentlich) und sollt euch an sie erinnern, als wäre es das Legendärste, das ihr je auf die Beine gestellt habt (ist es wahrscheinlich bis dato auch).
Ich hab euch lieb, ihr Süßmäuse (noch so ein neues Wort der neuesten Generation…. Alpha?)


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found your vibe?
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© 2026 lisa tschinkel
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